Eschen, Berlin unterm Notdach

Fritz Eschen

Berlin unterm Notdach


Fotografien 1945-1955

Im Auftrag der Deutschen Fotothek hrsg.
von Mathias Bertram und Jens Bove

Bilder und Zeiten. Hrsg. von Mathias Bertram. Band 8

176 Seiten, 154 ganzseitige Abbildungen
24 x 27 cm, Festeinband, Fadenheftung


2. Auflage
ISBN 978-3-937146-78-2

 

24,90 (D), 25,90 (A), 43,90 sFr 

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Fritz Eschen, der in der Weimarer Republik als Pressefotograf begonnen hatte, als Jude aber ab 1938 nicht einmal mehr einen Fotoapparat besitzen durfte, überlebte die NS-Zeit nur knapp. Sofort nach der Befreiung im Mai 1945 griff Eschen wieder zur Kamera und dokumentierte in beklemmenden Bildern seine zerstörte Heimatstadt Berlin und das Elend der Überlebenden. Vor allem aber widmete er sich dem allmählichen Erwachen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, den Lebensverhältnissen der einfachen Leute und dem Beginn des Wiederaufbaus. In einem großen Bogen, der von den rauchversengten Häuserruinen des Mai 1945 bis zum Bau der Berliner Mauer im August 1961 reicht, erzählen Eschens Bilder die Geschichte einer Stadt, deren Überlebenswillen durch nichts zu brechen war.

Pressestimmen:

Ein hervorragender Schwarzweiß-Bildband, der sich durch eindringliche und künstlerisch wertvolle sowie einzigartige historische Aufnahmen auszeichnet.“
(Willi Wilhelm, Photographica Cabinet, Nr. 60, 2013) 

„Man betrachtet die Fotos und möchte sich einfühlen in das menschliche Drama, das sie umhüllt. So nah der Tod – sicher haben auch die Kinder auf dem Bild ihn schon gespürt. Doch sie spielen…“ (Irmtraud Gutschke, Neues Deutschland, 10. Dezember 2013)

„Nie gab es eine bessere Möglichkeit, Eschens Lebenswerk in seiner ganzen Breite kennenzulernen als jetzt.“
(Gerd Adloff, Junge Welt, 11. Juni 2011)

„Es gibt keine Bitterkeit in Eschens Bildern, keine Melancholie, und selbst die Trauer um das Verlorene wird von der Melodie des Lebens übertönt. Als Porträtfotograf ist Fritz Eschen berühmt geworden, nun kann man ihn als Chronisten des Berliner Nachkriegsalltag wiederentdecken.“ (Andreas Kilb, FA, 23. Mai 2011)

„Eschens Bildwelt ist nicht die des Tagesjournalismus, vielmehr fotografiert er wie jemand, der in Berlin zu Hause ist.“
(Marika Bent, Märkische Allgemeine Zeitung, 20. Mai 2011)

„Eschen kam nicht mit den alliierten Befreiern, er war auch kein Fotograf, der der Welt etwas Spektakuläres zeigen wollte. Bei Eschen ist die Sensation das Nüchterne, bei ihm gibt es weder Pathos noch Sentimentalität. Er zeigt mit erschütternder Genauigkeit und nüchterner Distanz die Not wie auch die Hoffnung in der besetzten Stadt.“
(Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung, 11. Mai 2011)

„Eschens Arbeiten sind voller Dialektik und Ironie. Das ist große Fotokunst.“ (Mathias Bertram, taz, 10. Mai 2011)

„Die Bilder sind fotografiert von einem, der den Menschen ganz nahe kommt, für sie aber gleichsam unsichtbar zu sein scheint – der Fotograf als nüchterner, sich bewusst auf Distanz haltender Beobachter, dessen Empathie für sein Sujet gleichwohl zu spüren bleibt.“ (Andreas Conrad, Der Tagesspiegel, 7. Mai 2011)

„Fritz Eschen war ein Meister der ,objektiven’ Kamera, jeder Effekthascherei abhold und stets erfolgreich bemüht, die gewählte Person oder das Thema mit dienender Sachlichkeit und liebevoller Genauigkeit zu behandeln.“ (Günter Matthes, Der Tagesspiegel, 1964 zum Tod von Fritz Eschen)

„Pathos und Sensationslust sind in Eschens Bildern nicht zu finden. Er verstand sich als Chronist des Alltags, der auf subtile Art und Weise das Nachkriegsberlin in all seinen Facetten ausleuchtete. Ein packender Blick auf eine Zeit, in der Berlin neu geboren wurde“ (B.Z., 5. Mai 2011)

„Eschen war das Auge des alten neuen, in Ruinen wieder aufblühenden Berlin. Für das heutige Auge sind das: fantastische Bilder!“ (Peter von Becker, Tagesspiegel, 28. November 2010)

„Eschen war einer der wichtigsten fotografischen Beobachter des allmählich aus den Ruinen erwachenden Berlin. Ein Chronist des Alltags. Ein Chronist mit Humor, mit Blick für die Absurditäten und die Abgründe der Nachkriegsgesellschaft.“ (Die literarische WELT, 20. März 2010)

„Berlin zeigte Überlebenswillen. Dass der fotografische Blick eines Holocaust-Überlebenden diesen Willen in so alltägliche Bilder gießen konnte, mag verwundern, an der Qualität ändert das freilich nichts: Eschen ist in Deutschland einer der wichtigsten Bildautoren jenes humanistischen Blicks, für den vor allem die französische Fotografie bekannt geworden ist.“ (Hessischer Rundfunk, 29. März 2010)

„Eschen ist ein guter Menschenbeobachter. Er bevorzugt Präzision, nicht das Pathos, dokumentiert den Alltag, nicht das Spektakuläre.“ (Sächsische Zeitung, 27./ 28. März 2010)

„Es sind nüchterne Bilder, denen man widerstreitende Gefühle entnehmen kann. Seine Darstellungen der zerschossenen und ausgebrannten Stadt haben nichts vom Pathos zeitgenössischer Bildbände. Eschen hat zu viel Leid erlebt, um im Abbild des zerstörten Berlin den Schock zu betonen. Seine Flüchtlinge sind müde, aber zuversichtlich, seine Sitzbänke zerstört, aber irgendwie doch benutzbar, man flirtet, scherzt, balanciert auf Versorgungsrohren über die Kanäle.“ (Berliner Zeitung, 8. Mai 2010)

„Eschens Bildern ist oft genug der Moment des Entstehens noch anzusehen. Manches Bild ist sogar unscharf, deutliches Zeichen dafür, dass Eschen sein »Personal« nicht wieder zurückbeordert hat, das Foto noch einmal zu stellen. Der echte Moment war ihm wichtiger.“ (Leipziger Internetzeitung, 9. März 2010)

 

Fotograf:
Fritz Eschen (1900-1964), ab 1928 freier Pressefotograf in Berlin, 1938 Berufsverbot aufgrund seiner jüdischen Herkunft, ab 1945 erneut als freier Fotograf in Berlin tätig, wurde vor allem durch seine Reportage- und Porträtfotografien bekannt


Autor:
Jens Bove, geb. 1969 in Minden, Kunsthistoriker, Dissertation über Richard Hamilton, seit 1993 Tätigkeit für das Bildarchiv Foto Marburg, seit 2002 als Geschäftsführer; seit 2003 Leiter der Deutschen Fotothek in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden


Interview:
  Kerstin Lehmstedt im RBB, Radio Eins, 9. Mai 2011
Länge: 2:40 Min.


  Mathias Bertram im Interview zu Fritz Eschen auf Deutschlandradio Kultur, 5. Mai 2011, Länge: 4:57 Min.


  MDR Figaro im Gespräch mit  Mark Lehmstedt über die Reihe Bilder und Zeiten, Länge: 8:58 Min.

 









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